Kürbisse: Giftig oder nicht?

Kürbisse: Giftig oder nicht?

„Kann man den essen?“ Die Frage lese ich saisonbedingt momentan in einigen Gartengruppen sehr häufig. Dazu das Bild eines Kürbisses, der irgendwie nicht so ausschaut wie der auf der Samenpackung. Dann gab es ja 2015 diese Todesfälle aufgrund des Genusses angeblich giftiger Zucchini. Diverse Medien füllten damit dankbar das Sommerloch und seither haben unerfahrene HobbygärtnerInnen Angst, wenn ihr langsam reifendes Kürbisgewächs nicht exakt den Vorgaben entspricht. Und so manche/r LandwirtIn verzichtet mittlerweile leider auf den Verkauf von selbst vermehrten Kürbispflanzen, aus Angst, dass sich solch ein Fall wiederholt und auf sie zurückfallen könnte. Ein Grund, sich mit dem in jeder Hinsicht großen Gemüse, das botanisch eigentlich eine Beere ist, etwas näher zu beschäftigen. Gleich vorweg: Es ist alles halb so wild.

Ein bisschen Theorie

Ich habe mal gelernt, dass es vier Kürbisarten gibt, die sich untereinander nicht verkreuzen. Und wenn ein Kürbis bitter schmeckt, sollte man ihn nicht essen, weil sich die Mutterpflanzen verkreuzt haben und sich die giftige Urform wieder durchgesetzt hat. Das ist schon einmal fast richtig.

Jetzt habe ich mich also noch einmal ordentlich belesen. Fangen wir mit etwas Theorie an, wir Laien bringen ja gern Begrifflichkeiten durcheinander: Familie, Gattung, Arten, Sorten. Das ist übrigens auch gleich die richtige Hierarchie. Relativ egal in der Gartenpraxis, aber Ordnung muss schon sein. Wenn schon nicht im Garten, dann wenigstens hier.

Noch sehr grüner Muskat-Kürbis: ein Moschus-Kürbis, der spät reift

Kürbisse gehören, wie Melonen und Gurken auch, zur Familie der Kürbisgewächse – Cucurbitaceae – und kommen ursprünglich aus Amerika. Die Gattung der Kürbisse nennt sich Cucurbita. Und diese Gattung unterteilt sich in fünf Arten, von denen für uns nur drei relevant im Gartenanbau sind. In der Auflistung sind gleich einige bekannte Sorten mit dabei:

  • Garten-Kürbisse (C. pepo): Zucchini, Zierkürbisse (ungenießbar), Patisson, Ölkürbis, Helloween-Kürbis
  • Riesen-Kürbisse (C. maxima): Hokkaido, Zentner
  • Moschus-Kürbisse (C. moschata): Butternuss, Muscade de Provence,

Diese Arten kreuzen sich üblicherweise nicht untereinander, sondern nur innerhalb einer Art. Pflanzt du also nur eine Sorte pro Art, ist die Wahrscheinlichkeit der Verkreuzung relativ gering. Wenn der nächste Nachbar mit Zierkürbissen im Garten noch mindestens einen halben Kilometer entfernt ist, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit nochmal drastisch.

Was heißt denn „verkreuzen“ jetzt eigentlich?

Zucchiniblüten: Oben die männliche und unten eine weibliche mit Fruchtansatz

Ganz einfach: Unsere Kürbisse sind Kulturarten. Man hat aus Wildarten über viele Kürbisgenerationen giftige Bitterstoffe, die Cucurbitacine, durch Selektion herausgezüchtet. Bestäubt werden Kürbisse von Insekten, die fliegen fröhlich von Blüte zu Blüte und achten nicht auf unterschiedliche Sorten. Setzt sich also eine Hummel, die gerade ein Pollenbad in einer Zierkürbis-Blüte genommen hat, auf eine weibliche Zucchiniblüte, besteht die Möglichkeit, dass sich in der nächsten Generation der Zierkürbis beziehungsweise die giftige Wildform wieder durchsetzt. Und – weil es vielen nicht ganz klar ist: Auf die aktuelle Frucht hat die Bestäubung natürlich keine Auswirkung – erst auf die nächste Generation! Hast du einen bitteren Kürbis im Garten, hast du „unsauberes“ Saatgut einer bereits verkreuzten Sorte gepflanzt. Das kann auch in der besten Samengärtnerei einmal passieren.

Kreuzen sich Sorten der Arten Maxima und Moschata, ist die Gefahr der Giftigkeit gering, es können dann aber durchaus interessante und schmackhafte Mischungen entstehen. Kurz: Nicht jede Verkreuzung erzeugt giftige Kürbisse! Um eine Verkreuzung im Hausgarten zu vermeiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Den blühenden Kürbis rechtzeitig unter ein Netz setzen und handbestäuben. Oder durch zeitlich versetzte Pflanzung dafür sorgen, dass unterschiedliche Sorten nicht zur gleichen Zeit blühen und so weiter. Anstrengend, finde ich.

Bitterstoffe sind gesund! Hier nicht.

Cucurbitacine sind giftig und, in großen Mengen genossen, mitunter sogar tödlich. Sie lassen sich auch durch Kochen nicht zerstören. Aber:

>> Wenn du einen gesunden Geschmackssinn hast, ist eine Vergiftung fast nicht möglich, denn diese Kürbisse schmecken so bitter, dass du freiwillig keinen zweiten Bissen machst. Also einfach ganz wenig kosten und wenn der Kürbis/die Zucchini bitter schmeckt, nicht essen!

Bitter macht also nicht immer lustig. Im Fall von Kürbisgewächsen ist es sogar ziemlich ungesund. Das gilt auch für Gurken. Die reagieren nämlich auf Stress besonders empfindlich. Trockenheit, Kälte, kaltes Wasser. Und bis auf einige ganz bitterfreie Sorten (diese können die Anreicherung der Bitterstoffe verhindern) quittieren sie diesen Stress mit der Bildung von Cucurbitacinen. Manchmal hilft auch das Wegschneiden des erstes Stückes beim Stengelansatz (jetzt weiß ich auch, warum wir das früher oft gemacht haben). Dann hat sich das Zeugs nämlich noch nicht weiter in die Frucht fortgesetzt. Auch sind nicht automatisch alle Früchte einer Pflanze bitter und damit ungenießbar. Jens Molter von Dreschflegel (biologisches Saatgut) empfiehlt das „Hätscheln“ von Gurkenpflanzen, um ihnen Stress zu ersparen.

Cucurbitacine – es gibt etwa 40 davon – haben für uns Menschen nicht nur schlechte Seiten. Sie sollen sogar als alternatives Chemotherapeutikum bei Krebstherapien erforscht werden. In der Küche und am Teller sind sie jedenfalls nicht bekömmlich. Und für die Pflanze sind sie natürlich von Nutzen, sie machen sie unattraktiv für Fressfeinde.

Kürbis im Garten

Noch etwas habe ich heute bei Dreschflegel gelernt:

>> Lässt man mehr als zwei oder drei Zucchini an einer Pflanze groß werden und ausreifen, kann es passieren, dass sie keine Blüten und Früchte mehr produziert.

Na toll, ich kam nämlich jetzt einige Tage aus Dschungelgründen nicht an meine Zucchinipflanze. Und wer Zucchinis im Garten hat, weiß, dass die über Nacht auf die doppelte Größe anwachsen und man plötzlich Riesendinger im Beet hat. Nächstes Jahr bin ich wieder gescheiter, mehr als eine Pflanze hat in meinem kleinen Garten nämlich keinen Platz.

Hokkaido: Aus der Gattung Riesen-Kürbis. Beliebte Sorte, die Schale wird mitverwendet.

Über den idealen Anbau von Kürbissen findest du viele Informationen im Netz, hier nur das wichtigste in Kürze:

  • Kürbisse mögen es warm und wollen gut genährt werden. In der Nähe des Komposthaufens fühlen sie sich besonders wohl. Im Beet mögen sie viel Komposterde und hin und wieder einen Schluck Pflanzenjauche.
  • Die meisten Kürbisse sind nix für kleine Gärten, sie wandern mehrere Meter weit. Zucchini wachsen buschförmig, sind also leichter zu kultivieren. Außerdem gibt es mittlerweile auch Kürbisssorten (schreibt man das so?), die klein bleiben.
  • Auf Kürbisgewächsen wachsen weibliche und zahlreichere männliche Blüten, die nur wenige Stunden geöffnet sind. Damit die Bestäubung und damit Fruchtbildung klappt, müssen Blüten beiderlei Geschlechts gleichzeitig geöffnet sein und natürlich auch von Insekten besucht werden. Werden weibliche Blüten nicht bestäubt, sterben sie ab.
  • Reif sind Kürbisse, wenn die Stiele trocken werden. Dann können die Kerne auch für die Vermehrung genutzt werden. Meistens ernten wir Kürbisse (vor allem Zucchini) unreif, dann sind sie aber nicht lagerfähig. Kürbisse immer vor dem ersten Frost ernten und bei mäßiger Zimmertemperatur nachreifen lassen!
Die Zaunrübe: heimisches Kürbisgewächs und Kletterpflanze. Giftig für uns Menschen, wertvoll für die Zaunrüben-Sandbiene

Im Wildgarten ist übrigens die Zaunrübe sehr zu empfehlen. Sie ist das einzige heimische Kürbisgewächs und zwar für uns Menschen giftig, aber für Insekten interessant und ein wertvoller Beitrag zur Artenvielfalt im Garten! Und sie ist eine der wenigen heimischen Kletterpflanzen, und hübsch noch dazu.

Wo waren wir: Kürbisse. Bunte Vielfalt, unterschiedliche Geschmäcker, sättigend und voller gesunder Inhaltsstoffe! Und bei entsprechender Ernte (Stiel trocken) und guter Lagerung (Zimmertemperatur beziehungsweise möglichst nicht unter 15 Grad) bis zum Frühjahr haltbar. Moschus-Kürbisse brauchen üblicherweise etwas länger für die Reifung, sie reifen aber bestens im Haus nach. Wer genug Platz im Gemüsegarten hat pflanze Kürbisse! Am besten nur alle vier Jahre am selben Platz, dann kann wirklich nichts mehr schiefgehen.

Mehr Infos:

Arche Noah
Dreschflegel
Biologie-Seite
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Titelbild von Capri23auto auf Pixabay
Weitere Bilder aus meinem Garten

Alex

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