Rohrbacher Kogel und Teichwiesen: sanfte Hügel, Wiesen, Wasser

Teichwiesen am Marzer Kogel

Es fasziniert mich immer wieder, welche Landschaften sich auftun an Orten, die weniger als 30 Kilometer von mir entfernt liegen. Mein Vorliebe für einsame Gegenden wurde auch diesmal nicht enttäuscht. In Marz bei Mattersburg nämlich. Oder Rohrbach. Die beiden Orte liegen direkt beieinander und teilen sich wohl irgendwie das Schutzgebiet.

Der kleine Urlaub

In gut zwei Stunden – inklusive ausgiebiger Phasen des Innehaltens und in die menschen- und gebäudeleere Ferne schauen – habe ich wieder eine herrliche Runde in einer wunderbaren Landschaft genossen, die ich uneingeschränkt empfehlen möchte.

Hund zufrieden, Frau entzückt. Sanfte Hügel und alte Streuobstwiese im Hintergrund

Auch dieser kurze Bericht ist ein Plädoyer dafür, dass der kleine Urlaub nicht weit weg sein muss! Er kostet nur den Sprit oder die Fahrkarte zum Ausgangspunkt und das Ausflugsziel ist nicht von Menschen überlaufen oder sogar teilweise ganz frei davon. Ich kann leere Batterien auf diese Weise immer wieder ganz nebenbei aufladen und dabei noch viel Neues lernen. Der Hund schaut auch zufrieden.

Abbieger ins absolute Wandervergnügen

Startpunkt ist der Parkplatz beim Tennisplatz in Marz-Rohrbach. Erstmal entlang des asphaltierten Radweges geschlendert und hier schon die kleinstrukturierte Landwirtschaft bewundert, die heutzutage so kaum mehr zu sehen ist. Bauerngärten, Streuobst-Wiesen mit uralten Kirschbäumen und eine Landschaft links, rechts und vorneweg, die Dichter wohl als „lieblich“ bezeichnen würden. Zwischen kleinen Feldern immer wieder Wiesen, und überall herrlich herbstliche Hecken entlang des Weges.

Heckenbegleitung am Radweg

Wer mich kennt, weiß, am asphaltierten Weg werde ich nicht glücklich. Also folge ich bald dem Weg zum Schutzgebiet Teichwiesen, der links vom Radweg abzweigt. Dann beim abgebrochenen Wegweiser einen nicht sicher erkennbaren Wiesenweg nach rechts und dann recht bald wieder nach links, wieder entlang einer Hecke. Hier tritt man hin und wieder in Kuhfladen, was in mir den Verdacht weckte, dass das Schild ganz am Anfang des Weges nicht bedeutete „keine freilaufenden Hunde“, sondern möglicherweise „gar keine Hunde“.  Kurze Zeit später kam die Aufklärung – hier beweiden nämlich im Sommer Rinder die Wiesen um die Teiche, damit sie nicht verschilfen. Ich war mir lange nicht sicher, ob ich innerhalb oder außerhalb der Weide ging und hoffte, dass mir und meinem Hund keine wütenden Kühe entgegenkommen würden. Taten sie glücklicherweise nicht.

Wiesen voll mit Wiesen-Alant, darunter ein zweiter Teich

Und dann, ich gehe diese Hecke entlang, und plötzlich blicke ich völlig überrascht auf eine herrliche Teichlandschaft, die ich wirklich nicht erwartet habe (Titelbild)! Man darf nicht ganz hin, denn es ist Schutzgebiet – aber allein der Anblick hat mich in Verzückung vesetzt. Wiesen mit Bocksbart, Herbstzeitlose und – für mich neu entdeckt – eine ganze Menge Wiesen-Alant (Inula britannica). Die Pflanze gilt als gefährdet, ist aber im Nordburgenland in feuchteren Gebieten noch recht häufig zu finden. In Oberösterreich und Salzburg gilt sie lt. Exkursionsflora als ausgestorben.

Die wunderbare Berg-Aster

Und dann hat mein Herz noch einen Hüpfer gemacht, als ich die auch im Burgenland gefährdete, wunderbare Berg-Aster (Aster amellus) entdeckt habe. Man nennt sie auch Kalk-Aster, Berge sind hier ja eher sanft geschwungene Hügel. Und noch eine Aster habe ich heute kennengelernt: Die Goldschopf-Steppenaster (Aster linosyris), die hier noch häufig sein soll. Beide Arten blühen jetzt im Herbst.

Goldschopf-Steppenaster

Um die Teiche herum gibt es auch einen Weg, ich bin aber oberhalb gleich wieder links abgebogen. Dann noch – ebenfalls über weiche Wiesenwege – entlang eines mit alten Pappeln und anderen Weiden gesäumten Baches noch einen Schlenker nach rechts und dann langsam wieder an den asphaltierten Weg angeknüpft (und damit auch gleich wieder auf SpaziergängerInnen getroffen).

Wiesenweg entlang von Weiden und Pappeln

Habe ich schon erwähnt, dass die kleine Runde einfach herrlich ist? Und jederzeit größer anzulegen, je nach Kondition und Lust. Ober dem großen Teich gibt es übrigens ein schönes Jausenplatzerl mit Aussicht (Titelbild). Für Wasservogel-Freunde soll dieses Gebiet ebenfalls ein Juwel sein – das glaube ich sofort! Ich habe Vogelgeschrei  vernommen, das ich hier im trockenen Leithagebirge noch nicht gehört habe. Auch Schmetterlinge waren noch ein paar auf den artenreichen Wiesen unterwegs. Bei Sonnenschein sind es sicher viel mehr, es ist ja eigentlich erst Anfang September.

Eine wunderbarer Ausflug für den kleinen Erholungs-Snack zwischendurch! Ich fühlte mich in frühere Zeiten zurückversetzt, als Wege noch nicht alle befestigt waren, die Äcker klein und die Gegend groß. Sechs Kilometer reine Freude, macht es nach!

Plan beim Tennisplatz