Die burgenländische Puszta – eine andere Welt!

Blick Richtung Siegendorfer Puszta

Man braucht einen Seelenstreichler. Also rafft man sich auf und tut Dinge, die man „eh schon immer tun wollte“.  Für mich heißt das: raus in die Natur auf unbekannte Wege! Kurz in die Burgenlandflora geschaut, ob es eine wenig anstrengende, kurze Route in der Nähe gibt. Gibt es! Eineinhalb Stunden geht die Runde in der Siegendorfer Puszta und (ehemaligen) Heide laut Website. Das sollte gut zu schaffen sein. Knapp 20 Minuten Anfahrt und seltene Pflanzen in Aussicht, machen wir!

Und wer mich kennt, weiß, ich verlaufe mich immer. IMMER. Im Leithabegirge, das ja wirklich nicht sooo groß ist, und heute natürlich auch. Irgendwo hätte ich wohl abbiegen sollen. Kurz zusammengefasst: die Runde ist toll! Wenn man die richtige geht. Die letzten vier Kilometer meiner Version, die dann drei Stunden gedauert hat, waren Asphalt auf einer schmalen Landstraße ohne Gehsteig. Natürlich hatte die Alex auch kein Wasser mit, braucht man ja nicht für einen kurzen Spaziergang. Selten war ich so glücklich, in der Ferne das Hinterteil meines Autos wieder zu erblicken.

Ausgangspunkt Hügelgräber

Ausgangspunkt der Runde ist der Parkplatz bei den Hügelgräbern ein paar Kilometer außerhalb von Siegendorf (Google Maps findet den Standort, man fährt über einen Radweg hin. Die Beschilderung ist unauffällig). Zuerst geht es ein Stück durch den mit Robinien verseuchten Wald auf einem asphaltierten Weg.

Wenig spektakulär der erste Teil: schattiger Weg durch den Wald
Wenig spektakulär der erste Teil: schattiger Weg durch den Wald

Dann gleich links abbiegen in die Puszta – und schon ist man in einer anderen Welt! Eine sandige, hügelige Landschaft, ein bisschen Wüste, ein bisschen Meerluft, ein bisschen Steppe wie in Afrika. Mir ist auf der ganzen Route niemand begegnet außer ein paar Schafen und Rindern. Die Beweidung sorgt dafür, dass die Fläche offen bleibt, da sie sonst verbuschen würde, wie man es teilweise schon sehen kann.

Ab in die Puszta! Herrliche Wege, wunderbare Landschaft.
Ab in die Puszta! Herrliche Wege, wunderbare Landschaft.
Schöne Einsamkeit und Schafe

Mehr Information zu diesem schönen Fleckchen Erde gibt’s hier, ich beschränke mich auf Bilder zu Schönheiten, die ich entdeckt habe. Und gleich wieder ein paar Pflanzen kennengelernt. Ich wollte nämlich schauen, welche in der Burgenlandflora gelisteten Pflanzen ich entdecken würde – und tatsächlich! Gleich am Anfang des Weges hüpfte mir der gefährdete Gelb-Lauch, Allium flavum ins Auge. Auch viele weniger seltene Kräuter ließen sich bereitwillig blicken. Zum Beispiel der „König aller Kräuter“ in der Volksmedizin, der Gewöhnliche Odermennig, Agrimonia eupatoria. Oder die Kleine Wiesenraute, Thalictrum minus, die im Burgenland ebenfalls als gefährdet eingestuft ist. Oder der Aufrechte Ziest, Stachys recta oder die zarte Ästige Graslilie, Anthericum ramosum. Oder der Hanf, ähm – der gehört wohl naturgemäß hier nicht unbedingt hin.

Der hier gar nicht, aber sonst so seltene Gelb-Lauch
Der hier gar nicht, aber sonst so seltene Gelb-Lauch

Und Schmetterlinge – da würde ich gerne mal mit einem Schmetterlings-Experten entlangwandern! An einer Stelle habe ich Hunderte Bläulinge, die sich schon zur Nachtruhe niedergelassen haben, aufgeschreckt. Das hat dann > so < ausgesehen.

Die beeindruckende Wollköpfige Kratzdistel, Cirsium eriphorum mit ihren faustgroßen Blütenständen, noch verschlossen
Die beeindruckende Wollköpfige Kratzdistel, Cirsium eriphorum mit ihren faustgroßen Blütenständen, noch verschlossen

Auch Vogelkundler könnten dort fündig werden! Solche größeren Vogelschwärme habe ich schon lange nicht mehr gesehen und Greifvögel fühlen sich in dieser offenen Landschaft offensichtlich auch sehr wohl. Das nächste Mal kommt der Feldstecher mit.

Fleißige Arbeiterinnen
Fleißige Arbeiterinnen: Schafe, die die Flächen freihalten

Irgendwann kamen dann die Rinder und ein abgeschiedener Selbsternte-Hof. Da wusste ich, jetzt bin ich ganz sicher falsch. Noch ein paar Mal Google-Maps bemüht – das findet natürlich keine Feldwege, aber man kann sich orientieren, wo man ist und wo man eigentlich hin müsste.

Einfach weitergehen

Nach einem weiteren Experiment durch den Wald und über nicht für die Begehung konzipierte Wege habe ich mich dazu entschlossen, die lange, aber sichere Variante über die Straße zu wählen, bevor es ganz dunkel wurde. Ich habe im Geiste für die Nacht schon Unterschlupf unter einem Baum gesucht. Aber: Ein Kriecherl-Baum hat mich gerettet und meine ausgetrocknete Kehle etwas beruhigt!

Die Rettung kurz vor dem Ziel! köstliche Kriecherl, und zwar nicht zu knapp.
Die Rettung kurz vor dem Ziel: köstliche Kriecherl am Wegesrand

Endlich wieder am Ausgangspunkt angekommen, den Hund und mich mit Wasser versorgt (in dieser Reihenfolge) und die Heimfahrt angetreten. Und gleich den Vorsatz gebildet, diese Runde unbedingt noch einmal zu machen. Also die richtige. Das muss doch selbst für mich zu schaffen sein.

Da! Da steht doch der richtige Weg!