Mauersegler brauchen Hilfe! Faszinierende Flugkünstler in der Stadt

Gestern habe ich spontan an einer Abendführung über Mauersegler in Wien teilgenommen und interessante Dinge über diese Vögel erfahren. Ich habe festgestellt, ich wusste nicht viel über sie, außer, dass es sie gibt und sie in Gemäuern brüten.

Es muss ein eigenartiger Anblick für Außenstehende gewesen sein, 18 Leute am Gehsteig zu beobachten, die angestrengt in die Luft schauen und in unregelmäßigen Abständen im Chor „Aaaaaah!“ rufen und sich freuen. Über die Sichtung eines Einflugs von brütenden Mauerseglern in ihr von außen unsichtbares Nest nämlich.

Dank dieses Ausflugs weiß ich jetzt, dass sich hier im 20. Bezirk ebenfalls Mauersegler aufhalten, die ich bisher nicht so wahrgenommen habe. Ich habe sie heute zum ersten Mal bewusst gehört und dann natürlich auch gesehen. Ich werde wohl einmal ein bisschen Zeit investieren, um zu schauen, ob und wo sie hier Brutplätze haben könnten. Das ist nämlich gar nicht so einfach.

Und weil Mauerseglern wie vielen anderen Tieren das Leben immer schwerer gemacht wird, ist das hier eine Aufforderung zum Mitmachen! Nicht nur in Wien, sondern in allen Städten, in denen es höhere Gebäude gibt. Am Land kommen wohl eher nur Kirchtürme in Frage, da soll es nur vereinzelt Populationen geben. Spechtlöcher in Eichen täten sie wohl auch nehmen, wurde uns gesagt. Aber nur wenn die Bäume mindestens 100 Jahre alt sind. Finde den Fehler. Und so wurden aus den Felsenbrütern eben Gebäudebrüter.

Informieren

In Wien gibt es eigene Programme für den streng geschützten Vogel (und andere Gebäudebrüter!) – es lohnt sich, mal ein bisschen reinzuschmökern und die Organisationen tatkräftig zu unterstützen! In Wien, so schätzt man übrigens, leben 25 % der gesamten Mauersegler-Population in Österreich.

Hier gibt’s die Infos von der MA 22, der Wiener Umweltschutz-Abteilung.

Bestimmt gibt es auch in anderen Städten solche Programme – informiert euch und meldet vermutete Nistplätze!

Durch die massive Verbauung und vor allem Sanierung von alten Gemäuern und der wachsenden Anzahl von Dachgeschoss-Ausbauten finden die Vögel immer weniger Möglichkeiten zum Brüten. Abgesehen vom allgemeinen Insektenschwund, der ihnen zusätzlich das Leben schwer macht.

Mauersegler nisten in kleinsten Spalten, oft auch unter Verblendungen aus Blech, unter denen es im Sommer unsagbar heiß wird. Von außen kann man Nistplätze nur ausmachen, indem man die Vögel beobachtet – und zwar lange. Sie kreisen in größeren Gruppen in der Nähe des Platzes herum,  und wartet man lange genug, kann man den sekundenschnellen Einflug (oder Ausflug) beobachten.

Mauersegler-Nest
Mauersegler-Nest: eher ein Ring aus in der Luft gefundenem Material und mit Speichel verklebt

Diese Vögel haben so viele faszinierende Eigenschaften, die man alle nachlesen kann, aber einige davon habe ich mir gemerkt – ich empfehle allerdings wärmstens, bei einer 1,5-stündigen Abendexkursion mitzumachen und sich die Infos direkt bei den Expertinnen und Experten zu holen – und gleich zu beobachten!

Am 22. Juli um 20:00 Uhr habt ihr in Penzing noch einmal die Gelegenheit dazu (keine Anmeldung nötig, Infos hier)

Wer braucht Beine, wenn er segeln kann

Nur ein paar Facts, die mich besonders beeindruckt haben:

Mauersegler verbringen außerhalb der Brutzeit ihr ganzes Leben in der Luft! Ihre Beine sind aufgrund dieser Entwicklung bereits verkümmert, weil sie sie kaum brauchen. Sie schlafen im Flug, indem sie vermutlich eine Hälfte ihres Gehirns abschalten.

Mauersegler schaffen im Sturzflug bis zu 250 km/h – sie sind irrsinnig schnell!

Finden sie aufgrund schlechten Wetters zu wenig Insekten für die Küken, fliegen weite Strecken in andere Gebiete (an die Adria zum Beispiel oder eine Runde nach Ungarn, wurde erzählt), um Futter zu sammeln. Die Jungen verfallen währenddessen in eine Art Schlafzustand, den sogenannten Torpor, und können so bis zu zwei Wochen ohne Nahrung überstehen.

Mauersegler sind nesttreu – sie beziehen nach Möglichkeit jedes Jahr das selbe Nest. Umso schwieriger für sie, wenn sie es nicht mehr vorfinden. Sie sind übrigens auch monogam – auch wenn sie ihren Partner auf dem Weg ins Winterquartier verlieren und der womöglich woanders überwintert – beim Rückflug finden sie wieder zusammen und übernehmen gemeinsam die Fürsorge für die Brut – meistens zwei Küken!

Einfach mal ein bisschen in die Luft schauen

Was können wir also tun? Nach oben schauen! Mauersegler entdeckt? Man überhört sie auch wirklich nicht, wenn man einmal darauf achtet. Am besten in der Dämmerung mindestens eine halbe Stunde lang beobachten – dann ist die Chance groß, dass man einen Nestanflug sehen kann. Ihr Sozialverhalten kann man auch bei „Screaming Partys“ beobachten. Sie fliegen in einer größeren Kolonie um einen Nistplatz herum, manövern dabei rasant knapp an der Wand vorbei und touchieren sie sogar hörbar. Dabei geben sie ihre typischen Laute von sich. Hier kann man sie anhören – ich wette, ihr erkennt sie sofort!

Also – was tun wir, wenn wir ein Mauersegler-Nest vermuten oder sogar einen Einflug gesehen haben? Idealerweise sogar Fotos machen (schwierig mit Handys am Abend und in der Entfernung – ich hab’s nicht geschafft).

–> Dann MELDEN! In Wien HIER.

Die Meldung wird in eine Karte aufgenommen und – was viel wichtiger ist – sollte eine Sanierung des besetzten Hauses anstehen, muss diese warten, bis die Mauersegler in Richtung Winterquartier nach Afrika ausgezogen sind und die Bauherren müssen einen Ersatz schaffen.

Auch bei Neubauten ist es ganz einfach, Nistkästen anzubringen und gleich in die Planung mit hineinzunehmen. Sie sind so klein und schmal, dass man sie fast nicht sieht, wenn man es nicht weiß! Sie kosten nicht viel und lassen sich direkt in die Fassade einbauen. Übrigens muss man sich bei Mauerseglern keine Sorgen um Vogeldreck machen, der fällt viel geringer aus als zum Beispiel bei Schwalben. Sie brauchen nämlich extrem wenig Nistmaterial und räumen die Kacke ihrer Jungtiere auch brav weg. Sie wollen das Nest ja schließlich wieder beziehen.

Nistkasten
So schmal ist ein Nistkasten! Es gibt viele Möglichkeiten.

Auch vor Schäden in der Dämmung braucht man sich nicht fürchten – das machen Spechte nämlich gern. Und in Spechtlöchern lassen sich Mauersegler auch gern nieder. Also warum nicht gleich ein paar Kästen anbringen? Oder schmale Einfluglöcher an Zierkonsolen anbringen? Schaut mal hier rein, wie das aussehen kann! Die Bausubstanz bleibt dabei völlig intakt.

Wichtig sind Meldungen über Beobachtungen – sonst können auch die Behörden nicht wirksam eingreifen. Und die meisten Bauherren lassen gern mit sich reden, wenn man sie aufklärt, mit welch geringem Aufwand dieser Vogelschutz verbunden ist, wenn man ihn gleich einplant!

Noch einmal: Schauen, melden, aufmerksam machen! Damit ist schon viel erreicht. Das gilt auch für andere Mauerbrüter und Fledermäuse, die ebenfalls geschützt sind.

Und – um auch das Thema Wildgarten wieder hereinzuholen – ohne Insekten keine Vögel und ohne Wildpflanzen keine Insekten. Wie immer: Zusammenhänge sehen.

Und bevor ich es vergesse: Was tun, wenn man einen offensichtlich flugunfähigen Mauersegler am Boden findet? Natürlich NICHT in die Luft werfen, wie offenbar immer noch öfter empfohlen wird! Vorsichtig einsammeln, in eine schattige Box setzen und die Wildtierhilfe anrufen!

Ich gehe jetzt Vogerl schauen am Balkon – gehabt euch wohl!

Hier sind noch einige nützliche Links zum Thema auf einen Blick:

Wildtierhilfe Wien

Wiener Umweltschutzabteilung MA22

Wiener Umweltanwaltschaft