Sommer, Sonne, Meer? Oder in die Slowakei.

„Wo fahrt ihr hin?“
„In die Slowakei.“
Pause.
„Aha, kann man dort Urlaub machen?“

Wer braucht schon Urlaub, wenn er einen Wildgarten daheim hat? Und was macht ein Reisebeitrag im Wildgarten-Blog? Na hallo, was habe ich wohl dort gemacht? Jedes Blümchen fotografiert und viele Aaaahs und Oooohs verteilt.

Besuch beim Nachbarn

Ein paar Tage wegfahren tut der Seele gut, fremde Länder bereisen ebenfalls. Aus  Zeit-, Geld- und Umweltgründen und weil wir sowieso Europafans sind, sollte das Ziel nahe sein. Warum also nicht kurz beim direkten Nachbarn vorbeischauen? Spontan gekaufte Konzertkarten für ein Event in Kosice haben wesentlich dazu beigetragen, gleich ein paar Tage drumherum zu bleiben und die Slowakei zu erkunden. Und der Kompromiss aus Städteurlaub für den Mann und Natur und Entspannung für die Frau war schnell gefunden. Soll ja superschöne Nationalparks geben dort. Die haben wir dann zwar nur am Rande gestreift, waren aber trotzdem beeindruckt.

Dieser kleine Reisebericht soll Lust machen, auch die nähere Umgebung in Betracht zu ziehen, wenn man verreisen möchte. Und botanisch gibt es überall etwas zu entdecken. Man muss sich nur Zeit nehmen und schauen.

Erster Halt: Nitra

Wir legen los in Nitra, der ältesten Städt der Slowakei, wie mir die Tourismusseite mitteilte. Der Ort war bei mir negativ besetzt – ich brachte sie nur mit der bekannten Hundetötungs-Station in Verbindung. Aber Nitra hat tatsächlich einiges zu bieten! Eine schöne Stadt, einen herrlichen Park, der zum Teil sehr naturnah gestaltet ist, eine Burg und einen Hausberg mit Aussicht.

Großer Park in Nitra mit einigen naturbelassenen Ecken

Wer sich für Geschichte interessiert, findet in diesem Land zahlreiche Zeugnisse. Das Gebiet der Slowakei ist historisch gesehen wohl schon oft ganz ordentlich durchgebeutelt worden. Habe ich immer hinterher nachgelesen und mehr als einmal gestaunt.

Zurück zu Nitra. Die Stadt kann man gut mit einem Fußmarsch erkunden, es gibt eine kleine Fußgängerzone, einen großen Haupt- und Marktplatz und eine Burganlage mit Kathedrale mitten in der Stadt. Dort sind wir zuerst hinaufgegangen. Für eine Führung war es zu spät, aber auch von außen ist die Festung mit ihren Kirchen und dem imposanten uralten Holztor beeindruckend. Einen großen Maulbeerbaum gibt’s auch. Und eine schöne Sicht auf die Stadt.

Kraxeltour im Wald

Dann – die Alex will ja auch quasi echte Natur sehen –  zugestimmt, bei über 30 Grad auf den Hausberg, den Zobor, zu kraxeln. Gleich vorweg: Ich hatte keine Kraft, Bilder von der Vegetation zu machen, es war einfach zu anstrengend, trotz Wald und Schatten.

Wanderwege am Fuße des Zobor. Wege sind grundsätzlich gut markiert.

Die Straße neben dem Kasernengelände – das haben wir vorher noch mit einem Spaziergang erkundet – ein Stück hinaufgefahren und dann zu Fuß weiter. Ein Stückchen weiter oben wäre auch noch ein Parkplatz gewesen, aber der kleine Anstieg auf heißem Asphalt zum eigentlichen Wald hat auch nicht mehr geschadet.

Und dann sage ich nur: Links hinauf wäre der flachere Weg gewesen, vielleicht nicht zur Warte, aber zu einer Ruine, die ich auch noch gern gesehen hätte. Für geübte Wanderer ist aber auch der steile Trampelpfad, der mehr aus Stufen als aus Weg besteht, kein Problem. Als gelernte Flachlandlerin mit Leithaberg-Erfahrung war ich allerdings schon herausgefordert und konnte leider dabei die Umgebung (alles voll mit wilden Stiefmütterchen, Viola tricolor!) recht wenig genießen. Nach 45 Minuten fix und fertig oben angekommen (der Mann, natürlich schon da, lachte mir entgegen), belohnte aber ein wirklich schöner Ausblick.

wildes Stiefmütterchen, Viola tricolor. Hier nur zweifärbig

Und Schmetterlings-Beobachter hätten ihre wahre Freude dort. Mit der typischen Trockenrasen-Vegetation umflattern einen unzählige Exemplare unterschiedlichster Couleur! Eine Mountainbike-Strecke gibt es übrigens auch. Und dabei fast keine Menschen, war aber auch Montag und außerdem eher Bade- als Wanderwetter.

Blick auf Nitra vom Zobor

Völlig verschwitzt und glücklich, unten im Ort noch einen winzigen Supermarkt entdeckt zu haben, um die Wasservorräte aufzufüllen und einen picksüßen Eiskaffee aus dem Packerl runterzukippen, also weiter auf der Tour.

 

Weltkulturerbe und viel Wald

Nach Banská Stiavnica (deutsch: Schemnitz) nämlich. Zwei Tage in die Natur, ein bisschen entspannen. Nur zufällig – weil ich dann nach dem ersten Rundgang nachgeschaut habe – sind wir draufgekommen, dass dieses schöne alte Bergbau-Städtchen zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Die Fahrt zur Unterkunft gestaltete sich schon einmal abenteuerlich.

Merke: Wenn der Betreiber extra ein Video schickt, wie man hinkommt, weil man Navis hier nicht vertrauen könne – sollte man Navis auch nicht vertrauen.

Nach einigen Versuchen, die auf schmalen, steilen Schotterpisten im Nichts endeten, haben wir aufgegeben und der nette Vermieter hat uns im Ort aufgegabelt. Wären eh nur mehr fünf Minuten gewesen, auch Schotterstraße, aber man muss halt wissen, wohin. Die Unterkunft empfehle ich hier auch gleich mal für Leute, die ein bisschen entspannen wollen. Wie aus dem slowakischen Ikea-Katalog (alles, aber auch wirklich alles, hatte ein Schweden-Etikett) geschnitten, aber sehr geschmackvoll eingerichtete, helle Zimmer, eine voll ausgestattete große Küche für das selbst gebastelte Frühstück und ein schön gestalteter Terrassenbereich, von dem aus man entspannt in die Hügel blicken kann oder hinunter auf einen der vielen ehemaligen Bergbauseen mit guter Wasserqualität. In diesem Fall den Klinger-See, der öffentlich zugänglich ist.

Außenbereich Unterkunft mit Blick ins Grüne. Steile Streuobstwiesen und unten blitzt der Klinger-See durch die Bäume

Durch das bergige und für Rasenmäher unzugängliche Gelände gibt es in dieser Gegend noch viele echte Blumenwiesen, über eine davon konnten wir direkt zum See hinunterkraxeln.

Umweltschutz steht dort ziemlich hoch im Kurs. Die Stadt liegt nämlich mitten im Landschaftsschutzgebiet in den Schemnitzer Bergen. Von unserer Unterkunft geht es in 15 Minuten Spaziergang durch den Wald direkt in die 10.000 Einwohner-Stadt. Am Rückweg im Dunkeln wurden wir von unzähligen Glühwürmchen begleitet!

wunderbare Vegetation auf magerem Boden. Karthäusernelken und Schemnitz im Hintergrund

Neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten gibt es in Schemnitz einen botanischen Garten, durch den wir kurz vor der Sperrstunde noch schnell geflitzt sind. Stärken kann man sich vorzüglich in einem der vielen Cafés oder Gasthäuser.

Durch das große Waldgebiet kühlt es in der Nacht deutlich ab und die vielen Wanderwege lassen sich komfortabel und ohne große Steigungen begehen.

Mammutbaum im botanischen Garten in Schemnitz

Wir haben in der kurzen Zeit leider nur einen geschafft, man will ja auch genießen. Luchse soll es dort geben, aber die haben sich in der Mittagshitze natürlich nicht blicken lassen.

Stadt und Kultur: Kosice

Dann wieder in die Stadt: Kosice!  Keine Abkühlung in der Nacht. Mir haben der Wald und die Ruhe gefehlt. Aber wir waren ja auch wegen eines Konzerts da. Und das war in der Tabacka Kulturfabrik. Die Location ist wirklich nett – zu vergleichen in etwa mit dem WUK in Wien. Würde man wohl als hip bezeichnen. Sehr feines Essen und entspannte Leute jeden Alters und aus allen Schichten und Kulturkreisen. Überhaupt sind die Slowaken ziemlich entspannt, habe ich das Gefühl. Von der Stadt selbst haben wir nicht so viel gesehen, sie soll aber auch historisch sehr interessant sein.

Die Berge der Tatra – und die Kleine Fatra

Dann ging’s Richtung heimwärts über eine andere Strecke. Kurzer Abstecher in das Städtchen Presov auf einen Eiskaffee und dann quasi mitten durch den Fatra Nationalpark. Und die echten Berge der Tatra haben wir aus der Ferne auch gesehen. Immerhin. Dafür hat einfach die Zeit nicht gereicht, aber das wird garantiert nachgeholt.

da sind sie, die echten Berge, wenn auch nur aus der Ferne

Sehr beeindruckt hat mich der riesige Liptauer Stausee, der größte Wasserspeicher der Slowakei mit einer Fläche von 20 Quadratkilometern! Natürliche Seen gibt es in der Slowakei außer ein paar Gletscherseen angeblich wenige.

Liptauer Stausee – riesig und unverbaut

Mehrere Dörfer wurden ab 1965, als die Talsperre errichtet wurde, geflutet. Heute ist dieser See – zumindest, wenn man ihn aus meinen touristischen Augen betrachtet – ein Traum. Nahezu keine Verbauung und auch keine touristische Vermarktung findet dort statt. Stattdessen ist er zum großen Teil Schutzgebiet. Von einer Raststation kann man direkt bis zum See gehen und es ist eine Wohltat, dass man hier nicht auf Häuser oder Hotels blickt, sondern in alle Richtungen nur auf wohltuendes Blau und Grün! (Rundumsicht)

Geplättet von den Eindrücken weiter Richtung Österreich, immer die  Waag entlang, den längsten Fluss der Slowakei (Titelbild). Auf der viel befahrenen, schmalen Landstraße mitten durch das Schutzgebiet der Kleinen Fatra. Auf dem Weg noch einmal angehalten und das Wasser und die Berge betrachtet.

Infotafel im Schutzgebiet

Wölfe haben wir keine getroffen, die gibt es dort wie Bären auch. Nach fast jeder Kurve eine Burgruine oder ein schöner Flusslauf. Leider hatten wir keine Zeit mehr, uns länger in dieser herrlichen und ausgedehnten Landschaft aufzuhalten. Langsam wurden der Wald, die Wiesen und die Hügel weniger und die monotone Landwirtschaft übernahm wieder das Zepter. Ungewohnt nach dem vielen Grün. In Bratislava noch einen kurzen Tankstellen-Snack eingeworfen und nach Wien gehüpft – nur mehr ein Katzensprung.

Die Slowakei: grün, Kultur, Burgruinen

Fazit: Die Slowakei lohnt sich für kurze Städte-Trips genauso wie für ausgedehnte Naturerlebnisse, denn Natur gibt es wirklich viel und das Waldgebiet ist riesig. An Atomkraftwerken fährt man mit gemischten Gefühlen vorbei, auch an den zahllosen heruntergekommenen Massentierhaltungs-Anlagen. Die gibt es bei uns natürlich auch, nur nicht so sichtbar. Auf Auslands-Touristen ist man dort, wo wir uns aufgehalten haben, nicht unbedingt eingestellt. Vielleicht war es gerade deswegen reizvoll.

Und die Natur werde ich sicher einmal ausgiebiger erkunden, wer kommt mit?

die Route