Blumenzwiebeln ab in die Erde!

Wir lieben sie – die ersten Blüten im Frühling! Nicht nur wir erfreuen uns am Anblick, für Insekten bedeuten sie lebenswichtige erste Nahrung. Viele dieser Blumen sind Zwiebelpflanzen, die jetzt in den Boden müssen. Dabei ist die Auswahl so groß, dass man leicht den Überblick verliert. Welche Arten und Sorten sind denn jetzt auch ökologisch wertvoll und was sollte man bei der Pflanzung beachten?

Heimische Wildformen, biologisch, ungefüllte Sorten. So einfach könnte man zusammenfassen, was besonders wertvoll ist.  Will man Saatgut und auch Zwiebeln zum Beispiel im Baumarkt oder Supermarkt erwerben, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Oft nicht für die Geldbörse, aber für die Umwelt allemal. Denn wo auf Masse produziert wird und zweifelhaft ist, woher das Saatgut kommt, ist die Herstellung sehr in Frage zu stellen. Und was bringt es, im eigenen Naturgarten tolle Blühpflanzen zu haben, während der Anbau andernorts die Natur zerstört? Zum Beispiel, weil Herbizide nicht gerade zimperlich eingesetzt werden.

Zurück zu den Zwiebeln und Frühlingsblühern:  Beim Stichwort heimische Wildformen wird die Auswahl bei den typtischen Zwiebelpflanzen gleich gehörig eingeschränkt. Zumindest, wenn man bei „heimisch“ an unsere Breiten (Österreich, Deutschland) denkt. Ein anderes Merkmal ist: „erst seit Christoph Columbus bei uns zu finden“. Einigkeit herrscht bei der Definition aber ganz und gar nicht.

Tulpen, Krokusse, Narzissen: alle nicht heimisch, wenn man es genau nimmt. Manche davon aber trotzdem wertvoll. Wir konzentrieren uns darauf, ob die Pflanze ökologisch Sinn macht oder nicht, also ob sie Nahrung und Lebensraum für Insekten bietet. Und sie darf unsere Sinne natürlich auch erfreuen.

Die „echten“ Heimischen

Ganz sicher heimisch und einer der ersten Blüher ist das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dem sogar Hans Christian Anderson ein Märchen gewidmet hat. Fühlt es sich wohl – es ist eher eine Wald- und Waldrandpflanze – vermehrt es sich auch ganz von selbst. Zumindest wenn Ameisen in der Nähe sind.

Aus der Steiermark kenne ich Auwälder, die im Frühling voller Windröschen sind. Das weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und das ähnliche Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) blühen, als ob es kein Morgen gäbe. Sie wachsen am liebsten in Mischwäldern, ob die Kultur im Garten gelingt, lässt sich erst nach einem Versuch sicher sagen.

Und dann noch die Kleine Traubenhyazinthe (Muscari botryoides), die auch im Trockenrasen blüht und verschiedene Lerchensporn-Arten (zum Beispiel der Gefingerte Lerchensporn Corydalis solida). Nicht zu vergessen der Bärlauch!

Allesamt eher Waldpflanzen, die bei geeignetem Boden durchaus auch im Garten gedeihen.

Möchte man die klassischen Arten nicht im Garten missen – und was ist ein Frühjahr ohne Krokusse, Tulpen und Narzissen? – sollte man hier unbedingt auf Wildformen zurückgreifen.

Die Zugezogenen

Es gibt Arten, die als eingebürgert gelten und sogar vielerorts geschützt sind, weil sie es durch die in der konventionellen Landwirtschaft gängige Bewirtschaftung nicht mehr schaffen zu überleben.

Manche Botaniker bezeichnen den oft gar nicht so weißen Weißen Krokus (Crocus albiflorus) als einzige heimische Art. Im Burgenland  ist dieser ebenfalls als heimische Art gekennzeichnet und gilt als stark gefährdet. Der Toskanische Krokus (Crocus etruscus) ist in Kärnten auf der Liste der geschützten, nicht heimischen Arten. Wahrscheinlich ist auch dieser über den Mittelmeerraum eingewandert und seit langer Zeit eingebürgert. Zu den Krokussen hat der NABU auch einige Informationen zusammengestellt.

der Sonne entgegen

Kommen bestimmte Arten im eigenen Umfeld wild vor (wenn man das Glück hat, noch in einer naturnahen Gegend zu wohnen), kann man sich an diesen orientieren, denn sie kommen mit dem lokalen Klima zurecht. Ich würde zum Beispiel hier im Nordburgenland keine Buschwindröschen pflanzen, denn hier sind Schneeglöckchen die Hoheiten der Frühlingswälder.

Auch bei den Wildtulpen gibt es ein lange eingebürgertes Exemplar in mehreren Unterarten: die Gewöhnliche Weinberg-Tulpe (Tulipa sylvestris).

Und sogar Narzissen gibt es bei uns, die wohl vor langer Zeit eingewandert sind. Wildformen der Gelben Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) sind im Naturgarten überhaupt interessant, denn sie machen sich besonders anziehend für Bienen, weil sie Insekten ihren Nektar sozusagen vorgewärmt anbieten. Dazu hier ein Artikel.

Einfach in die Erde stecken?

Im Grunde ja. Tief genug muss es sein, mindestens doppelt so tief, wie die Zwiebel groß ist. Und in die richtige Richtung natürlich (Spitze nach oben). Was bei runden kleinen Zwiebeln oft auf den ersten Blick gar nicht so klar ist. Es empfiehlt sich, für ein natürliche Erscheinungsbild, die Zwiebeln locker auf den Boden zu werfen und dort, wo sie fallen, auch zu pflanzen.

Sie mögen durchlässige Erde, bei zu großer Nässe besteht die Gefahr der Fäulnis. Wühlmäuse mögen sie allerdings manchmal auch zum Fressen gern.

Wichtig: Vor allem Wildformen nicht mähen, bevor die Blätter eingezogen sind! Möchte man die Verbreitung im Garten fördern, lässt man die vertrocknete Blüte einfach dran, um auch den Samen Gelegenheit zu geben, herauszufallen (Permakultur: möglichst wenig Aufwand und gewähren lassen!).

kein Frühlingsgarten ohne Krokusse

Die Samenvermehrung ist eine langwierige Sache bei Zwiebelpflanzen, denn es gelingt nicht immer zuverlässig. Und wenn, dann dauert es mitunter mehrere Jahre, bis die erste Blüte zu sehen ist. Vermehrt man über Brutzwiebeln, geht es etwas schneller mit der Blüte, aber Geduld braucht man trotzdem. Also nicht verzagen, wenn die im Herbst gepflanzten Grazien nicht gleich im darauf folgenden Frühling in voller Pracht erblühen und nur ein Blattpaar zeigen!

Brutzwiebeln bilden sich an den Zwiebeln der Mutterpflanze, man kann sie vorsichtig im Herbst ausgraben, abbrechen und am Standort der Wahl wieder in die Erde bringen.

Gärtnereien vermehren übrigens üblicherweise über Samen, hat mir Monika Strickler verraten. Hier gleich noch ein paar Tipps von ihr:

Blumenzwiebeln ergänzen jedes Staudenbeet um die schönsten Frühlingsblüher. Sie werden im Herbst am besten in Gruppen gesteckt. Viele Zwiebelpflanzen verwildern im Garten über Samen und vermehren sich unterirdisch über Tochterzwiebeln, wenn sie sich wohlfühlen. Da die meisten unserer Frühblüher in der Natur unter Gehölzen wachsen, sind sie für eine Laubdecke im Winter dankbar. Stecken Sie die Zwiebeln in der Zeit von Oktober bis November doppelt so tief in den Boden, wie es ihrem Durchmesser entspricht. Unter Bäumen und unter der Hecke, in garem humosem Boden mit Laubdecke, fühlen sie sich am wohlsten.

Bei neu gepflanzten Hecken den Boden vor dem Zwiebelstecken lieber mit Laub bedeckt ein bis zwei Jahre ruhen lassen oder vor der Pflanzung gut mit verrottetem Laubkompost mischen.

Manche der aufgeführten Arten werden als Knollen (z.B. Cyclamen) oder Rhizome (unterirdische Sprossen, in die die Pflanze Nährstoffe eingelagert hat und in die sie sich den Sommer über zurückzieht, z. B. Anemonen) geliefert.

Wo bekomme ich denn nun ökologisch einwandfreie Blumenzwiebeln?

Das ist gar nicht so einfach, denn Frau Strickler hat uns verraten, dass sich noch niemand gefunden hat, der heimische Wildformen biologisch vermehrt. Es ist einfach zu aufwändig, daher kommen die Zwiebeln auch bei empfehlenswerten Betrieben oft aus konventionellem Anbau.

Umso wichtiger ist es, hinzuschauen. Empfehlungen für den Bezug haben wir nachfolgend zusammengestellt:

Staudengärtnerei Strickler, Deutschland: praktische Suchfunktion. „Heimisch“ ist hier „mitteleuropäisch“ – tolles Sortiment und viele Infos! Die Zwiebeln im Bild oben sind von dort – ich bin gespannt!

Staudengärtnerei Gaissmeyer, Deutschland: Nette Kategorien, zum Beispiel: Insektenweide

Samen Maier, Österreich: Bio, aber Achtung! Nicht heimisch (bis auf das Schneeglöckchen) und wenig Wildformen, daher leider trotz biologischer Produktion nur bedingt empfehlenswert. Bieten auch gefüllte Sorten an, diese sind ökologisch völlig wertlos – hier wirklich genau schauen!

Ein Hinweis ist auch, auf die botanischen Namen zu achten, denn oft wissen sogar Gärtnerinnen oder Gärtner nicht, was unter heimischen Wildpflanzen zu verstehen ist und verkaufen stattdessen eine prächtige Zuchtsorte.

Also schnell jetzt – noch ist es nicht zu spät! Und übrigens: Was für Blumenzwiebeln gilt, ist auch für Speisezwiebeln richtig! Übrige (biologische) Knoblauchzehen im Haus? Ab zwischen die Erdbeerpflanzen und schon früh im Jahr den ersten Knoblauch ernten! Auch Steckzwiebeln gibt es in den Varianten für Herbst- und Frühjahrspflanzungen.

Und zum Abschluss ein Tipp für uns Permakultur-Gärtner*innen, die auch hin und wieder etwas essen wollen: Mehrjährige statt Einjährige! Zum Beispiel Winterheckenzwiebeln! Fast das ganze Jahr über frisch grüne Zwiebelringe und eine herrliche Insektenweide in der Blüte. Mein Stock entwickelt sich jedes Jahr nach der Blüte wieder zu einer prächtigen Pflanze, ich habe die Jungpflanze von der Biogärtnerei Anita Beisteiner.