Efeu: sagenumwobener Alleskönner

Jeder kennt sie: Die heimische Kletterpflanze mit dem klingenden Namen Hedera helix – gewöhnlicher Efeu -ist so bekannt wie geheimnisvoll. Der Efeu kann vieles: Er klettert mit seinen Haftwurzeln ohne Hilfe auch mal 20 Meter hoch oder kriecht am Boden, er wird  mehrere 100 Jahre alt und ist das ganze Jahr über grün. Das macht ihn zu einem vielseitigen Gewächs, gerade auch im Naturgarten. Als Fassadengrün schützt er (intakte) Hauswände, er bedeckt rasch schattige Flächen oder überwächst alte Bäume – er ist kein Schmarotzer, wie man früher dachte – und gedeiht anspruchslos auf allen Böden.

junger Efeu
junger Efeu

Und er blüht. Beim Efeu unterscheidet man die junge und die Altersform. Während die junge Form die typischen drei- bis fünflappigen Blätter zeigt, sind die der Altersform eher eiförmig und dunkel. Blüten bildet nur die Altersform – und zwar als einziges heimisches Gehölz im Herbst. Für Insekten aller Art sind die duftenden unscheinbaren Dolden ein wahres Eldorado. Wespen, Hornissen und kleinere Wildbienen aller Art laben sich an dem reich gedeckten Tisch. Wer einmal in der Nähe eines blühenden Efeus gestanden hat, weiß um das Gebrumme und Gesumme der fleißigen Tierchen, die im alten Efeu eine der letzten Nahrungsquellen des Jahres finden.

Bis der Efeu blüht, muss man viele Jahre, von 10 bis 15 ist die Rede, warten. Er klettert dann nicht mehr, sondern bildet schwere überhängende Büsche mit dicken Stämmen. Das Gewicht kann einen alten Zaun oder ein bröckelndes Gemäuer schon mal umreißen. Efeu lässt sich auch problemlos schneiden und eignet sich daher wunderbar als immergrüner, formbarer Sichtschutz. Und sogar im Topf lässt er sich ziehen!

Efeubluete
Efeublüte

Aus der Blüte bilden sich dann schwarze Beeren, die für viele Vögel eine wertvolle Winter- und Erstfrühlingsnahrung darstellen. Im dichten Blätterwald findet allerhand Kleingetier schützenden Unterschlupf. Der ökologische Wert von Efeu ist also unbestritten.

Zu einer Pflanze, die so faszinierende Eigenschaften hat, gibt es immer auch spannende Geschichten und Sagen. Die einen schreiben dem Efeu heilende und schützende Kräfte zu, andere beschreiben eine unheilbringende Wirkung. Eine schöne Sammlung von Ritualen in Verbindung mit Efeu habe ich hier gefunden.

Als Waschmittel-Ersatz kommt Efeu in Zeiten erhöhten Umweltbewusstseins wieder zu neuen Ehren. Zum Ausprobieren gibt es unter anderem hier  Infos. Der  30 Grad-Test, den ich gestartet habe (zugegeben, mit ganz wenig Natron ergänzt), überzeugt mich nicht wirklich, aber zum durchschwemmen von leicht verschmutzter Wäsche genügt es allemal. Was ich allerdings faszinierend fand, war, dass die Blätter nach der Wäsche (inklusive Schleudern) hinterher gänzlich unversehrt waren. Der Efeu ist also auch noch extrem widerstandsfähig!

Efeu nach Wäsche mit neugierigem Hund

Die waschaktiven Saponine im Efeu sind auch mit für seine heilenden Kräfte verantwortlich. Vor allem bei Atemwegserkrankungen versprechen Efeu-Präparate Erfolg. Von der Eigenmedikation sei grundsätzlich aufgrund der Giftigkeit abgeraten. Im „Lehrbuch Phytotherapie“ empfiehlt der Autor allerdings sogar einen Tee aus Efeublättern – dreimal täglich und gesüßt mit Honig – bei leichtem Husten. Die wichtigsten Inhaltsstoffe aus medizinischer Sicht sind Triterpensaponine, Flavonglykoside und Phenolkarbonsäuren.

Nach einer alkoholgeschwängerten Nacht mit unweigerlich folgendem Kopfschmerz soll ein Kranz aus Efeublättern, aufgelegt auf eben diesen, wirksam sein. Die schmerzlindernden Kräfte sind seit dem Altertum bekannt und diese Anwendungsform ist – wenn auch die Wirkung nicht belegt ist – zumindest ungefährlich. Außer man gehört zu den besonders empfindlichen Menschen, für die auch der Hautkontakt zu unangenehmen Reaktionen führen kann (Kontaktdermatitis).

Es gibt mittlerweile viele Zuchtformen von Efeu, sogar Sorten, die nicht klettern, oder andere in allen möglichen Farbvariationen. Als Permakultur-Gärtnerin empfehle ich natürlich wie immer, auf die Wildform zurückzugreifen. Denn sie ist einzigartig, nützlich und wunderschön!

Nützliche Links:

NABU: Herbstlicher Lebensspender

Heimische Kletterpflanzen